Jedes Jahr kürt Pro Natura, der schweizerische Bund für Naturschutz, ein "Tier des Jahres". 2026 fiel die Wahl auf den Igel.

Zuletzt bearbeitet am 02.03.2026

 

“Das neue Jahr startet bizarr”, so habe ich mein Tagebuch 2025 begonnen. Für dieses Jahr fehlen mir die Worte. 

Die US-amerikanische Politik ist mit der Drohung der Übernahme Grönlands - auch mit militärischer Gewalt - endgültig auf dem geistigen Niveau von Kneipenschlägereien angekommen. Die Europäische Union schleift nach dem Rechtsruck der letzten Europawahl wichtige Errungenschaften der letzten Jahrzehnte (Entfall der Gentechnik-Kennzeichnung und Risikoprüfung für bestimmte NGT-Pflanzen, Verbrenner-aus-aus, Entschärfen der Pestizidverordnung… ) und unsere Bundesregierung verbilligt innerdeutsche Flüge, verteuert das Deutschlandticket, will Klimaziele aufweichen, mit dem Bau-Turbo den ungebremsten Flächenvebrauch anheizen, streitet über noch längere Arbeitszeiten, Streichung von Feiertagen, Neubau von Atom- oder noch wilder - Kernfusionskraftwerken - aber so viele Menschen regen sich über Gendersternchen und Veggischnitzel auf.

In Baden-Württemberg stehen Landtagswahlen an und obwohl der GRÜNE Cem Özdemir als Wunsch-Ministerpräsident in Umfragen deutlich vor dem CDU Kandidaten Manuel Hagel liegt, würden nur ca. 20% der Wählerinnen und Wähler die GRÜNEN wählen. Mir fehlen die Worte.

 

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Januar

Wie üblich startet das Jahr mit den Naturschutztagen in Radolfzell. Vom 3. bis 6. Januar 2026 treffen sich über 1000 Naturschutzbegeisterte zum Austausch, Netzwerken, Vorträgen und Exkursionen. Sehr unterhaltsam und lehrreich in diesem Jahr: Der Abendvortrag “True Crime in Nature”, Diebstahl, Mord und Trickbetrug; wie Tiere und Pflanzen mit überraschend kriminellen Methoden ums Überleben kämpfen. 

In der Nachlese 2026 findet ihr ab Februar PDFs von Vorträgen und Seminaren, sofern sie uns zur Verfügung gestellt werden. www.naturschutztage.de/nachlese.html

 

16.01.26: Wie man Trauerschnäpper glücklich macht..

Diesmal haben wir zwei Schulklassen mit in den Wald bei Emmendingen genommen, um Trauerschnäpper glücklich zu machen. Nicht etwa - wie ihr möglicherweise vermutet - durch das Aufführen eines Stücks der Theater-AG, sondern indem wir, wie in jedem Jahr, Nistkästen geprüft und gereinigt haben. Trauerschnäpper konkurrieren mit Meisen um Nisthöhlen, 300 künstliche Nisthöhlen hatten wir schon aufgehängt, in 2025 kamen nochmal 50 dazu, damit die kleinen Zugvögel noch freie Nistplätze finden, wenn sie aus Afrika zurückkommen. Warum der ganze Aufwand? Wir wollen zeigen, dass Wälder mit einer großen Vielfalt an Vogelarten resistenter sind gegen die Massenvermehrung von Schädlingen. Um den Ausflug spannender zu machen durften die Schüler:innen - wenn sie wollten - mit professionellem Baumklettergeschirr auf die Bäume und Seilsicherungen üben. Hat viel Spass gemacht. Am 11. und am 18. Februar  wird es noch 2 Arbeitseinsätze geben, denn 350 Kästen reinigen und dokumentieren, dafür reicht ein Tag nicht aus. Im Bild links die grünen Punkte sind geprüfte Kästen, die roten sind defekt und die orangen sind noch zu prüfen. Man sieht, ein Drittel etwa ist geschafft.

(Der Namensbestandteil “Schnäpper” bezieht sich übrigens darauf, dass sie ihre Beute im Flug schnappen.)

30.01.26: Das Straßenfest-Fittory ist da..

In unserem Webshop verkaufen wir das von uns selbst produzierte Memospiel Fittory - statt 2 gleichen Bildern muss man ein Tierbild und die dazu passende Tierspur als Pärchen finden. Weil die Idee aufkam, dass das “in Groß” auch gut bei Straßenfesten und Aktionstagen ankäme, haben wir die Bilder auf LKW-Plane in je 20x20cm Größe drucken lassen. LKW Plane schien uns robuster als Pappkarton. Jetzt haben wir also 24 Tierbilder und 24 dazu passende Tierspurenbilder, ein Stoffbanner mit “der Auflösung”, damit man auch weiss, was zusammen gehört und freuen uns auf erste Aktionstage zum Ausprobieren. 

30.01.2026: Das Jahr kaum angefangen - schon die erste Demo..

Gegen die Bebauung der Zähringer Höhe, wo fast nur Luxusbauten entstehen sollen und dafür eine Streuobstwiese weichen soll (Streuobstwiesen sind eingentlich gesetzlich geschützt), gab es am Freitag eine Demo vor dem Rathaus, im Regen, aber trotzdem mit viel Elan und einer Theatereinlage (die Tiere und die rote Linie gegen die Betonköpfe…) und Statements aus Politik und Naturschutz. Wer mehr erfahren will: https://dasistdiehoehe.de/

Februar

Kurzes Austauschtreffen mit Chantal Kopf, MDB

Chantal Kopf, GRÜNE, ist für den Wahlkreis Freiburg im Bundestag, Ralf Schmidt (Nabu) und ich haben uns heute mit ihr getroffen um kurz Themen zu besprechen, die uns auf dem Herzen liegen. Sehr wichtig dabei war uns das Thema Stocamine, die Giftmülldeponie im Elsass bei Mulhouse, nur wenige Kilometer von der Grenze entfernt. Die “Versiegelung” des Mülls in 500m Tiefe mit Beton ist im vollen Gang, jetzt sind neue Zweifel aufgetaucht, dass die Deponie dicht hält. Alle Genehmigungen gingen davon aus, dass das Grundwasser die Stollen erst in 300 Jahren flutet, das ist Voraussetzung dafür, dass das Gebirge das rissige Salzgestein zusammendrückt und die Betonpfropfen abdichtet. Jetzt dringt offenbar schon jetzt deutlich mehr Wasser ein als erwartet. Wir haben Chantal Kopf eine Zusammenfassung neuer Erkenntnisse gegeben.

Zweites Thema war die Risikostudie des TRAS zu den Schweizer Atomkraftwerken, drittes eine neue Studie des Bundesamts für Gewässerschutz, die eine Erhöhung der Temperatur des Rheins bis Ende des Jahrhunderts um bis zu 4°C vorhersagt. Das würde das Ökosystem im Rhein massiv schädigen. 

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