BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein
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Warum Gärten hummel- und bienenfreundlich sein sollten

Hummeln und Bienen sind wichtig für die Bestäubung, also für die Befruchtung der Blüten unserer Pflanzen, das weiß fast jeder. Ohne Befruchtung entsteht aus der Blüte kein brauchbares Obst oder Gemüse. Aber wussten Sie auch, dass es Pflanzengattungen gibt, die nur von bestimmten Insekten bestäubt werden können? Darunter ist beispielsweise die Tomate, die von Honigbienen nicht bestäubt werden kann. Wenn Sie also im eigenen Garten Tomaten ernten wollen, sollten Sie auf eine Bepflanzung achten, die Hummeln mögen. Denn nur Hummeln erzeugen mit ihren Flugmuskeln genau die benötigten Vibrationen, die den Pollen aus den Staubbeuteln herausschütteln. Und weil Hummeln auch dann Blüten brauchen, wenn die Tomaten gerade nicht blühen, sollte ganzjährig ein Blühangebot in Nähe der Tomaten für Hummeln zur Verfügung stehen.

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Die drei Säulen eines insektenfreundlichen Gartens

1. Keine chemischen Mittel zur Schädlingsbekämpfung

"Pflanzenschutzmittel" genannte chemische Gifte wie Pestizide oder Fungizide töten die Insekten entweder direkt oder greifen das Nerven- oder Immunsystem an, wodurch diese dann beispielsweise die Orientierung verlieren oder anfälliger für Krankheiten und Parasiten werden. Greifen Sie besser auf Hausmittel wie Brennnesselsud oder Nützlinge (z.B Schlupfwespen oder Nematoden) zurück. Bedenken sie außerdem, dass Insekten, die oft als Schädlinge angesehen werden, eine wichtige Rolle in einem funktionierendem Ökosystem spielen. So dienen Blattläuse beispielsweise als Nahrungsquelle für Marienkäfer und Schwebfliegen, diese wiederum Vogelarten wie Meisen, Spatzen und Amseln.

2. Geordnete Unordnung

Manche Menschen würden es als unordentlich ansehen, wenn im Garten Totholz oder Reisig herumliegt, für die Insekten ist es allerdings wichtiger Lebensraum und Nahrungsquelle. Sie können Totholz und Reisig einfach in einer Ecke des Gartens aufhäufen. Es dient dann als Unterschlupf oder Überwinterungsmöglichkeit für Käfer, Falter und natürlich auch für Igel oder Mäuse. Im Frühling können dann Wildbienen Totholz als Baumaterial für ihre Brutkammern nutzen.

Auch eine Ecke in der Sie zum Beispiel Brennnesseln ihren freien Lauf lassen, wirkt auf viele Menschen vielleicht unordentlich und unschön, ist aber wichtig für viele Schmetterlingsarten. Tagpfauenauge, Admiral, Landkärtchen oder Zitronenfalter sind auf Brennnesseln als Wirtspflanzen für ihre Raupen angewiesen.

3. Die richtige Bepflanzung

Bei der Bepflanzung gibt es mehrere Punkte, auf die geachtet werden sollte wenn man einen insektenfreundlichen Garten anlegen möchte. Vor allem sollte man eine große Vielfalt an Wildblumen anpflanzen. Viele Insekten - z.B. Honigbienen - sind sogenannte Generalisten, das heißt sie freuen sich über so gut wie jede Blüte die Nektar trägt. Viele gefährdete Wildbienenarten und auch Schmetterlingsarten haben sich allerdings auf bestimmte Pflanzengattungen oder sogar ganz bestimmte Arten spezialisiert. So zum Beispiel die Glockenblumen-Scherenbiene. Für sie eignen sich nur Glockenblumenarten als Nahrungsquelle. Oder die Rainfarn-Maskenbiene, welche auf den Rainfarn spezialisiert ist. Je größer also die Blütenvielfalt, desto besser, da nicht alle Pflanzen von allen Bestäubern genutzt werden können.

Es sollte auch auf ein durchgehendes Blühangebot geachtet werden. Denn Insekten brauchen von Frühling bis Herbst Nahrung. Gute Beispiele für insektenfreundliche Frühblüher sind unter anderem Krokus, Narzisse, oder Traubenhyazinthe. Pflanzen die auch im Herbst noch blühen, sind zum Beispiel Astern, Lavendel, Efeu, oder Wegwarte.

Allgemein sollten keine Zuchtarten angepflanzt werden, da diese oft so modifiziert wurden, dass die Blüten gefüllt sind und keinen Nektar oder Pollen mehr tragen und so für Bestäuber nutzlos sind.

Links Forsythie (Ralphs-Fotos, Pixabay) Rechts Kornellkirsche (cskkkk, Pixabay)

Ein Beispiel hierfür ist die Forsythie. Auch wenn sie für viele Menschen ein Frühlingsbote ist, so ist sie dennoch eine sterile Zuchtform, das heißt sie führt keinerlei Nektar oder Pollen. Eine gute Alternative für die Forsythie ist die Kornelkirsche. Auch sie blüht im Frühling gelb und ist im Gegensatz zur Forsythie bei Insekten sehr beliebt.

Traubenhyazinthe  (_Alicja, Pixabay)

Außerdem ist es sehr wichtig darauf zu achten, dass heimische Pflanzen der mitteleuropäischen Zone angepflanzt werden. Denn nur diese Arten sind in das hiesige Ökosystem eingegliedert und können heimischen Bestäuberarten als Nahrungsquelle dienen. Manche eingewanderten oder eingeschleppten Arten haben es allerdings auch geschafft sich in mitteleuropäische Ökosysteme einzugliedern, so zum Beispiel die Armenische Traubenhyazinthe. Sie ist nicht invasiv, breitet sich also nicht unkontrolliert aus, schadet somit keinen anderen Pflanzen und sie wird von vielen Bienenarten als Nahrungsquelle genutzt. Ebenso auch Gartenkräuter wie Thymian, Oregano oder Basilikum, welche nicht als kritisch, sondern als hilfreich für viele Insekten betrachtet werden.

Links: Thuja (Antranias, Pixabay) Rechts: Eibe (DesireeAimee, Pixabay)

Anders ist das zum Beispiel bei Thuja, auch Lebensbaum genannt. In Gärten wird er häufig als Heckenpflanze genutzt. Thuja hat allerdings keine ökologischen Verschränkungen im mitteleuropäischen Gebiet, da er ursprünglich aus Asien und Nordamerika kommt. Das heißt Thuja erfüllt keinerlei Funktion in hiesigen Ökosystemen und ist somit auch für Insekten unbrauchbar. Als heimische Alternative kann die Europäische Eibe genutzt werden, auch sie ist immergrün und lässt sich gut als Heckenpflanze nutzen.

Links: Kirschlorbeer (Janvanbizar, Pixabay) Rechts: Liguster (neelam279, Pixabay)

Nicht heimische Pflanzen, die zusätzlich auch noch invasiv sind, können dem Ökosystem sogar schaden. So zum Beispiel der Kirschlorbeer. Ursprünglich kommt er aus Asien und ist hierzulande ebenfalls eine beliebte Heckenpflanze. Jedoch kommt Kirschlorbeer mittlerweile auch in europäischen Wäldern vor, aufgrund von unsachgemäßer Entsorgung von Gartenabfällen. Dort bildet er ein dichtes Untergehölz, welches sich unkontrolliert verbreitet, heimischen Pflanzenarten die Sonne abschirmt sie somit verdrängt. Eine gute Alternative für den Kirschlorbeer ist zum Beispiel der Gewöhnliche Liguster. Dieser ist auch immergrün und bietet zusätzlich noch eine gute Nahrungsquelle für viele Bienen- und Schmetterlingsarten. Auch Efeu eignet sich als immergrüne, heimische Art gut als Ersatz für Kirschlorbeer. Seine Blüten ziehen auch im Spätsommer noch viele Insekten an.

In einem insektenfreundlichen Garten sollte man außerdem auf große Rasenflächen verzichten, da diese keinen Mehrwert für Insekten haben und zusätzlich auch noch viel Wasser verbrauchen.

 

Liste insektenfreundlicher Pflanzen

Insektenfreundliche Frühblüher

  • Frühlings-Krokus (Crocus vernus): Gut für viele Hummel- und andere Wildbienenarten
  • Gelbe Narzisse (Narcissus pseudonarcissus): Verschiede Bienenarten
  • Echte Schlüsselblume (Primula veris): Verschiede Bienenarten
  • Armenische Traubenhyazinthe (Muscari armeniacum): Verschiedene Bienenarten
  • Sal-Weide (Salix caprea): Gut für viele Hummel- und Bienenarten, erste Nahrungsquelle für viele Schmetterlingsarten, später auch Futterpflanze für deren Raupen
  • Kornelkirsche (Cornus mas): Hummel- und andere Wildbienenarten, Schmetterlinge, Schwebfliegen
  • Schlehe (Prunus spinosa): Hummel- und andere Wildbienenarten, Schmetterlinge, Schwebfliegen

 

Frühsommer und Hochsommer

  • Wiesen-Löwenzahn (Taraxacum officinale): Nahrungsquelle für bis zu 70 Wildbienenarten, darunter viele Furchenbienen und Sandbienen
  • Hornklee (Lotus corniculatus): Nahrungsquelle für bis zu 57 Wildbienenarten
  • Wiesenflockenblume (Centaurea jacea): Nahrungsquelle für bis zu 40 Wildbienenarten
  • Gewöhnlicher Natterkopf (Echium vulgare): Nahrungsquelle für bis zu 37 Wildbienenarten
  • Rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia): Nahrungsquelle für bis zu 24 Wildbienenarten darunter spezialisierte Arten, wie die Glockenblumen-Schmalbiene, die Glockenblumen-Sägehornbiene und die Glockenblumen-Scherenbiene
  • Kriechender Günsel (Ajuga reptans): Nahrungsquelle für viele Hummelarten und Schmetterlingsarten wie Weißlinge und Bläulinge
  • Schnittlauch (Allium schoenoprasum): Nahrungsquelle für Bienenarten, Schmetterlinge und Schwebfliegen
  • Gewöhnlicher Dost (Origanum vulgare): Nahrungsquelle für viele Schmetterlingsarten (z.B. Großes Ochsenauge, Distelfalter) und Schwebfliegen
  • Echter Thymian (Thymus vulgares): Nahrungsquelle für bis zu 30 Bienenarten und viele Schmetterlingsarten
  • Rainfarn (Tanacetum vulgare): Nahrungsquelle für viele spezialisierte Wildbienen, darunter die Reinfarn-Maskenbiene, oder die Buckel-Seidenbiene
  • Salbei (Salvia officinalis): Nahrungsquelle für bis zu 30 Wildbienenarten
  • Färberkamille (Anthemis tinctonia): Nahrungsquelle für viele Wildbienenarten

 

Spät blühende Pflanzen

  • Ringelblumen (Calendula): Nahrungsquelle für viele Wildbienenarten
  • Kornblume (Centaurea cyanus): Nahrungsquelle für viele Hummel- und andere Wildbienenarten und Schmetterlingsarten
  • Tauben-Skabiose (Scabiosa columbaria): Nahrungsquelle für viele Wildbienenarten und Schmetterlingsarten
  • Efeu (Hedera helix): Nahrungsquelle für viele Wildbienenarten (z.B. die Efeu-Seidenbiene), Hummelköniginnen, Schmetterlinge und Schwebfliegen
  • Herbst Aster: Nahrungsquelle für viele Wildbienenarten
  • Acker Glockenblume (Campanula rapunculoides): Nahrungsquelle für viele spezialisierte Wildbienen
  • Wegwarte (Cichorium intybus): Nahrungsquelle für bis zu 50 Wildbienenarten und Schwebfliegenarten
  • Fetthenne (Sedum): Nahrungsquelle für viele Hummel- und andere Wildbienenarten, Schmetterlingsarten und Schwebfliegenarten

 

 

Die Liste erhebt nicht den Anspruch vollständig zu sein, sie soll nur als Inspiration dienen. Wenn Sie Hinweise oder Ergänzungen haben - nur her damit, wir entwickeln diese Liste gerne weiter.

 

Insektenfreundlicher Balkon

Im Grunde gilt für den Balkon das gleiche wie für den Garten, heimische Arten bevorzugen, keine chemischen Spritzmittel und ein Blühangebot von Frühjahr bis Herbst helfen unseren fleissigen Bestäubern. Hier eignen sich zum Beispiel Lavendel, Majoran, Oregano, Thymian oder Ysop ("Bienenkraut"). Diese Blüten ziehen viele Bienen- und auch Schmetterlingsarten an.

Mehr Informationen zum Gärtnern ohne Chemie gibt es hier auf den Seiten des BUND Bundesverbands.

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