BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein
Jetzt spenden Mitglied werden

Insektenhotel selber machen

Direkt zu

Nisthilfen für Insekten selber machen

In Deutschland sind etwa 560 Wildbienenarten bekannt. Davon gilt etwa die Hälfte als gefährdet und viele Arten sind auch schon ausgestorben. Es ist also wichtig den Wildbienen mehr Aufmerksamkeit zu widmen und sie bei der Gestaltung des eigenen Gartens mitzudenken.

Den Wildbienen macht vor allem der schrumpfende Lebensraum und das fehlende Nahrungsangebot zu schaffen. Viele Arten sind hochspezialisiert auf bestimmte Wildblumenarten, die immer weniger in unserer Kulturlandschaft, auf Feldern oder unseren Gärten, aufgrund von Monokulturen, Züchtungen oder Pestizideinsatz, auftauchen.

BUND-Newsletter abonnieren!

Insektennisthilfen selber bauen

Um den Wildbienen wieder etwas mehr Lebensraum und Nahrungsangebot zu bieten, kann im eigenen Garten einiges getan werden. Zum Beispiel kann man dafür sorgen, dass genügend Orte vorhanden sind, an denen die Wildbienen ihre Brut ablegen können. Die meisten Wildbienenarten legen im Laufe des Frühjahrs und Sommers ihre Eier in Bruthöhlen ab, diese überwintern dort dann als Larven oder Puppen. Sie leben meist solitär, im Gegensatz zu Honigbienen, welche in sozialen Gruppen leben.

Wildbienen bevorzugen unterschiedliche Arten von Nistplätzen. Bei über 50% der Wildbienenarten handelt es sich um Bodennister. Das heißt, sie graben Gänge in Erdboden, Steilwände oder Abbruchkanten. Etwa 20% der Wildbienenarten sind sogenannte Hohlraumbesiedler. Sie legen ihre Brut in oberirdischen Höhlen, wie zum Beispiel in hohlen oder markhaltigen Pflanzenstängeln, alten Fraßgängen von Käferlaven, oder selbst genagten Gängen im Totholz ab. Genau diesen Arten (Hohlraumbesiedler) kann man zusätzliche Nistmöglichkeiten durch ein Insektenhotel bieten. Hierbei heißt es nicht automatisch je größer, desto besser. Denn in großen Insektenhotels können sich Parasiten und Pilze schneller ausbreiten. Auch kleine Modelle können, wenn sie richtig gearbeitet wurden, einen großen Nutzen haben.

 

 

Anleitung

Ein Holzblock, in den Löcher hineingebohrt werden kann sich sehr gut als Nisthilfe für Wildbienen eignen. Wichtig ist hierbei, dass es sich möglichst um Hartholz (z.B. Esche, Buche, Eiche) handelt und dieses auch gut durchgetrocknet ist. Frischholz oder Nadelholz ist nicht gut geeignet, da es beim Bohren schnell splittert oder reißt und oft auch später noch Harz austritt. Die Splitter oder das Harz können die Flügel der Bienen beschädigen, sodass diese dann flugunfähig werden. Es ist sehr wichtig zu beachten, dass die Löcher in die Rindenseite, also quer zu den Fasern gebohrt werden. Dies ist ein häufiger Fehler, da viele Hersteller Baumscheiben nutzen, in denen dann längs der Fasern gebohrt wurde. Dabei entstehen allerdings schnell Risse im Holz, so kann Feuchtigkeit in die Niströhren eindringen und dadurch kann die Brut verschimmeln.

Der Durchmesser der Löcher darf zwischen zwei und zehn Millimetern variieren, so können sich auch verschiedene Arten von Wildbienen ansiedeln. Die Bohrtiefe sollte etwa zehn bis fünfzehn Zentimeter betragen. Diese Mindesttiefe ist sehr wichtig, da sie über das Verhältnis von Männchen und Weibchen in der Brut bestimmt. In einer Brutröhre werden immer mehrere Kammern hintereinander angelegt. Männliche Bienen schlüpfen früher als weibliche, daher werden in die Kammern, die sich näher am Ausgang befinden unbefruchtete Eier gelegt, aus denen später Männchen schlüpfen. Erst ab einer gewissen Tiefe der Bruthöhle werden dann auch Kammern angelegt, in die befruchtete Eier gelegt werden, aus denen später Weibchen schlüpfen.

Der Abstand zwischen den Bohrlöchern sollte ungefähr zwei Zentimeter betragen. Achten Sie darauf, dass die Bohrungen splitterfrei und gut gesäubert sind, die Insekten können sich sonst die Flügel verletzen.

 

 

 

Bambus oder Schilfröhren eignen sich ebenfalls sehr gut als Nisthilfe. Sie können waagrecht zu Bündeln zusammengebunden, oder zum Beispiel in eine leere Konservendose gesteckt werden. Die einzelnen Röhren sollten alle am hinteren Ende geschlossen sein, deshalb bietet es sich an sie immer hinter den Wachstumsknoten abzuschneiden. Diese bilden dann einen natürlichen Abschluss. Der Durchmesser der Röhren kann zwischen zwei und zehn Millimeter variieren, die Länge der Röhren sollte ungefähr zehn bis fünfzehn Zentimeter betragen. Achten Sie darauf, dass die Röhren sauber und vollständig ausgehöhlt sind, sie können mit einer kleinen Bürste etwas nachhelfen, und dass die Eingänge splitterfrei und nicht rissig sind aus den oben genannten Gründen.

 

 

 

Diese beiden Elemente zur Nisthilfe (Bohrlöcher im Holz, oder Bambusröhren) orientieren sich an natürlichen Vorbildern, die die Bienen gerne zum Nisten nutzen. Zum Beispiel alte Frasgänge von Käferlarven im Holz, hohle Pflanzenstängel, Mauerritzen, Steinspalten und sogar Schneckenhäuser.

 

Standortbedingungen:

Das Insektenhotel sollten Sie am besten fest anbringen, es sollte nicht frei schweben. Es sollte eine süd-östliche Ausrichtung haben, sonnenexponiert und vor Regen und Wind geschützt sein (z.B. unter einem kleinen Dachüberstand). Außerdem sollten sich in der unmittelbaren Nähe genügend insektenfreundliche Wildblumen als Nahrung für die Bienen befinden, sonst verfehlt die Nisthilfe ihren Zweck. Ohne Nahrung werden sich keine Bienen bei Ihnen ansiedeln. Am besten ist es, wenn Sie möglichst vielfältige Blumen anpflanzen. Ein breites, durchgängiges Angebot von Frühblühern bis Spätblühern ist optimal.

 

 

Was nicht in ein Insektenhotel gehört:

Die im Handel zu erwerbenden Insektenhotels sind häufig mit Elementen ausgestattet, die keinen Nutzen für Insekten bieten. Zudem sind sie häufig schlecht und unsorgfältig verarbeitet, die Niströhren sind oft nicht richtig ausgehöhlt und splittern an den Eingängen, was Verletzungen bei den Insekten hervorruft.

Elemente die zwar gut gemeint, allerdings von Insekten nicht genutzt werden, sind zum Beispiel Kammern mit Tannenzapfen, Heu oder Holzschnitzeln. Diese sollen unter anderem als Überwinterungsmöglichkeit für Marienkäfer dienen, diese suchen sich aber andere Plätze wie Mauerritzen oder Laubhaufen.

Häufig sind in handelsüblichen Insektenhotels auch Elemente verbaut, die Schmetterlingen zum Überwintern dienen sollen, aber auch diese werden nicht genutzt, da Schmetterlinge sich eher wärmere und besser geschützte Orte suchen, wie Baumhöhlen oder Ritzen im Dach.

In manchen Insektenhotels finden sich auch Ziegelsteine wieder. Diese haben allerdings nur dann einen Nutzen, wenn die Löcher darin nicht größer als 10mm sind. Ist der Durchmesser größer, werden sich wohl keine Bienen darin ansiedeln.

Oft kommt es auch vor, dass die Löcher oder Röhren nicht tief genug sind. Dadurch wird das Verhältnis von Männchen zu Weibchen beeinflusst und es kann zu einem Überschuss an Männchen und einem Fehlen von Weibchen führen. Weibchen sind aber essenziell für das Überleben der Population.

 

 

Welche Arten können am Insektenhotel beobachtet werden?

In einem Insektenhotel siedeln sich in erster Linie hohlraumbrütende Wildbienen an, welche etwa 20% der ca. 560 bekannten Wildbienenarten in Deutschland ausmachen.

 

Gerne wird es von der Gehörnten Mauerbiene genutzt. Diese Art ist vor allem im Frühjahr unterwegs und ist gut am rostroten Hinterleib zu erkennen. Der Körper ist ungefähr 12 bis 16 mm groß und dicht bepelzt. Auch andere Arten der Gattung der Mauerbiene können häufig an Insektenhotels beobachtet werden, wie zum Beispiel die Rostrote Mauerbiene.

 

Die Garten Blattschneiderbiene zieht auch gerne in ein Insektenhotel ein. Sie baut ihre Brutzellen mithilfe von Blattstücken, welche sie aus Pflanzen herausschneidet. Sie ist ungefähr 12-15mm groß und kann an den großen Mundwerkzeugen erkannt werden. Sie ist vor allem im Spätsommer unterwegs.

 

Die Gemeine Löcherbiene ist nur etwa 4-8mm groß und kann an ihrem schwarzen Körper mit weißer Behaarung erkannt werden. Sie ist spezialisiert auf Korbblütler, beispielsweise Disteln, Schafgarbe, Löwenzahn oder Ringelblumen. Die Brutzellen verschließt sie mit einer Mischung aus Sand, Harz, Steinchen und Pflanzenresten.

 

 

Die Rainfarn-Maskenbiene ist auch häufig an Insektenhotels anzutreffen. Sie ist etwa 7-9mm groß und sieht durch ihren schwarzen, kaum behaarten Körper, einer dunklen Wespe ähnlich. Bei den Männchen kann die charakteristische weiße Zeichnung am Kopf, die aussieht wie eine Maske gesehen werden. Sie ist spezialisiert auf Pflanzen wie Rainfarn, Margerite, Schafgarbe, oder Färberkamille.

 

Die Glockenblumen-Scherenbiene ist 8-10mm groß, schwarz und nur leicht behaart. Sie ist stark spezialisiert auf Glockenblumen, diese bilden ihre einzige Nahrungsquelle.

 

 

Wildbienenfreundlich über das Insektenhotel hinaus:

Da viele gefährdete Wildbienenarten ihre Nester im Boden anlegen und daher die Möglichkeit in einem Insektenhotel zu nisten nicht wahrnehmen, kann es sinnvoll sein zusätzlich noch ein Sandarium anzulegen. Dieses bietet den bodennistenden Wildbienen den nötigen Lebensraum, der sonst in unserer Landschaft immer mehr verschwindet.

Dafür eignet sich am besten ein sehr sonniger Platz im Garten. Das Sandarium sollte ungefähr die Maße 40x40 cm haben und ca. 50 cm tief sein. Nach diesen Maßen wird eine Grube ausgehoben und mit Sand gefüllt. Die Zusammensetzung des Sandes ist sehr wichtig zu beachten. Es sollte kein gewaschener Sand aus dem Baumarkt sein, da dieser zu feinkörnig ist und die Nistgänge der Bienen dann einstürzen würden. Am besten eignet sich Sand aus einem Steinbruch mit verschiedenen Korngrößen. Wenn der Sand auch im trockenen Zustand die Form beibehält, ist die Struktur richtig. Häufen Sie einen kleinen Hügel, oder eine Schräge auf, damit Regenwasser gut ablaufen kann. Am Rand des Sandariums, oder auch darauf können Sie etwas Totholz ablegen, dies brauchen die Bienen um ihre Gänge zu verschließen.

 

 

Für den Wildbienenschutz ist es wichtig auch allgemein Insektenfreundliche Gärten anzulegen. Dies beginnt bei den richtigen Pflanzen. Viele Wildblumen auf die Wildbienen angewiesen sind, wachsen bevorzugt auf einem mageren Standort. Den kann man relativ einfach bei sich im Garten anlegen, indem man beispielsweise ein leicht erhöhtes mit Steinen eingefasstes Magerbeet baut. Natursteine oder Holzstämme eignen sich als Beeteinfassung, danach kann Sand, Kies und Schotter etwa 30cm hoch aufgetragen werden. Im Anschluss können Bienenfreundliche Pflanzen ausgesät werden. Für den mageren Standort eignen sich am besten Pflanzen wie Schlüsselblume, Günsel, Schnittlauch, Thymian, Wiesensalbei, Natternkopf, Schafgarbe, wilde Malve, oder Königskerze. Solche Beete locken auch viele Schmetterlingsarten an. In den ersten Jahren muss eventuell noch darauf geachtet werden, dass sich konkurrenzstarke, schnell wachsende Pflanzen wie Weißklee, Giersch, oder Gräser nicht zu sehr ausbreiten.

Für einen Bienen-freundlichen Lebensraum kann man außerdem noch sorgen, indem man Totholzstapel errichtet, Stauden oder abgestorbene Pflanzenstängel über den Winter stehen lässt, oder unverfugte Steinmauern errichtet, denn auch hier können Wildbienen nisten.

 

BUND-Bestellkorb