Todesfalle Blühwiese

Ein Brief an den Landwirtschaftsminister

Insektensterben staatlich gefördert.

In einem offenen Brief an den Baden-Württembergischen Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk, fordert der BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein gemeinsam mit dem NABU Südbaden und den GRÜNEN Kreisverband Emmendingen, Förderrichtlinien zu ändern und Samenmischungen zu zertifizieren. Denn:

Blühflächen können zu Todesfallen für Insekten werden.

In der Landwirtschaft durch das Land Baden-Württemberg geförderte einjährige Blühflächen werden zur Insektenfalle durch die Vorschrift, dass die Pflanzen vor Beginn des nächsten Frühjahrs entfernt, gemulcht oder in den Boden eingearbeitet sein müssen. Soweit tatsächlich insektenfreundliche Blühpflanzen ausgesät waren, wird der gesamte daran lebende Tierbestand vernichtet. Denn viele Insekten überwintern als Ei, Larve oder Puppe in oder an Pflanzenstängeln.

Ebenfalls problematisch sind „Schmuckbeete“ an Ortseinfahrten und Ackerrändern aus nicht zertifiziertem Saatgut. „Schmetterlingswiese, Bienenschmaus und Hummelmagnet“ ist der Titel einer kritischen Veröffentlichung des Bochumer Botanischen Vereins zu diesem Thema. Download hier: https://www.botanik-bochum.de/publ/OVBBV11_2_Buch_Jagel_Ansaaten.pdf


Allzu oft sind es nur bunte Zuchtformen und nicht einheimische Blumen, die in den handelsüblichen Samenmischungen enthalten sind. In untersuchten Samentütchen fanden die Bochumer Forscher hauptsächlich Samen von Blumen, die in Asien, Afrika oder Nord- und Südamerika heimisch sind. Aus Sicht unserer Insekten taugen diese bunten Blühmischungen nicht einmal als „Wirtshaus“, da sie kaum Nahrung bieten. Für die Brut erweisen sie sich als „unbewohnbar“, da die Tiere nicht an sie angepasst sind.


Es ist offensichtlich, dass hier nicht den Insekten, sondern in erster Linie dem Image geholfen wird. Landwirte, Kommunen und Vereine werden im Glauben gelassen, etwas Gutes für die Insektenwelt getan zu haben. Um eine wirklich vielfältige Insektenpopulation zu stabilisieren, ist dies aber kontraproduktiv.

Und es ist absurd, dass Steuergelder dafür ausgegeben werden, gebietsfremde Pflanzen zu bekämpfen, während gleichzeitig Kommunen und Private ungehindert Blühmischungen ausbringen, die genau solche Pflanzen beinenthalten.


Unter dem Strich sehen wir in Sachen Blühflächen viel Populismus und wenig Naturschutz - im Gegenteil: Dieser teure Aktionismus schadet unseren Insekten!

Herr Minister Hauk,

Wir, der BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein, fordern Sie auf:

  • Die bisherige Förderung einjähriger Blühflächen bis auf wenige fachlich begründete Ausnahmen einzustellen und durch eine bessere Förderung der mehrjährigen Brachebegrünung zu ersetzen.
  • Eine einheitliche, verbindliche Zertifizierung von Samenmischungen einheimischer Blühpflanzen für Landwirtschaft, Kommunen, Gewerbe und Private gleichermaßen unter dem Label „Insektenfreundlich“ einzuführen.

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