BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein

Zuletzt bearbeitet: 12.12.2023

Zuletzt bearbeitet: 12.12.2023

Technocentre

eine Atomschrott- Umverteilungsanlage in Fessenheim

Seit Sommer 2023 ist sicher, was zuvor nur befürchtet wurde: Das Technocentre kommt nach Fesssenheim.

Technocentre ist die Bezeichnung für eine Verschrottungsanlage für schwach radioaktive Metallteile. Metallteile aus Atomreaktoren sollen zersägt, eingeschmolzen und wieder in Verkehr gebracht werden.

 

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Der Blog zum Technocentre

Juni 2023: Die Pläne werden konkret

Spätestens mit einer DPA Meldung vom 25.06.2023 wurde bestätigt, dass die Electricité de France (EDF) sich auf Fessenheim als Standort für ihre "Technocentre" genannte Verwertungsanlage für leicht radioaktiven Metallschrott aus ganz Frankreich und eventuell anderen europäischen Ländern festgelegt hat. Der projektverantwortliche EDF Manager Laurent Jarry sprach von einer Bauzeit von ca. 4 Jahren und Baukosten von etwa 400 Millionen Euro.

Die Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer in Freiburg im Interview: "Wenn nun der Schrott aller Kernkraftwerke aus Europa oder Frankreich bei ihnen mit großen Containern vorbeitransportiert wird, ist es nicht das, was sich die Region gewünscht hat." Von Deutscher Seite gebe es Widerstand gegen das Projekt.

"Technocentre, das bedeutet für uns: 25 Tausend Tonnen leicht radioaktiver Stahl werden wie mit einer Gieskanne über der Metallverarbeitenden Industrie der Region ausgeschüttet. Der Stahl landet wieder in Form von Baustahl oder Gebrauchsgütern bei uns Endverbrauchern. " meint Stefan Auchter, Regionalgeschäftsführer des BUND in Freiburg. "Unsere Region lebt auch davon, den Ruf einer gesunden unverstrahlten Natur zu besitzen, das ist Grundvoraussetzung beispielsweise für Tourismus und Weinbau. Wieder machen wir uns und unseren Wohlstand davon abhängig, dass diese Typen in Fessenheim sauber arbeiten. Wenn auch nur der leise Verdacht besteht, Stahlfässer der Winzergenossenschaften könnten aus leicht radioaktivem Stahl hergestellt worden sein, kann die Branche einpacken."

Juli 2023: Infobroschüre der Umweltverbände

Französische Umweltverbände hatten unter Federführung von Stop Fessenheim bereits zuvor eine Infobroschüre herausgegeben, der Titel: Le Project fou de Technocentre. Ecotrinova e.V. und der BUND Regionalverband liesen diese Broschüre ins Deutsche übersetzen und 2.000 Exemplare drucken: Das verrückte Technocentre-Projekt in Fessenheim. Die Broschüre ist als gedrucktes Exemplar für 2 € beim BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein erhältlich.

5. Dezember 2023: Information für den deutsche Begleitausschuss zum KKW Fessenheim.

Turbinengehäuse in Fessenheim  (Unbekannter Fotograf - im Werk ist fotografieren verboten)

5. Dezember 2023: Der deutsche Begleitausschuss zum KKW Fessenheim trifft sich im Kraftwerksgelände zu einem Rundgang über das Betriebsgelände und die Maschinenhalle und zu einem Update zum Technocentre. Mitglieder des Begleitausschusses sind u.a:

  • Bärbel Schäfer, Regierungspräsidentin in Freiburg
  • Christine Buchheidt, Umweltbürgermeisterin der Stadt Freiburg
  • Klaus Schüle, Beauftragter für grenzüberschreitende Angelegenheiten im Regierungspräsidium Freiburg
  • Klaus von Zahn, Amtsleiter Umweltschutzamt Freiburg
  • Stefan Auchter, Regionalgeschäftsführer BUND

 

EDF Manager Laurent Jarry gibt erstmals genauere Details zum Technocentre bekannt:

  • Die Anlage wird neben dem stillgelegten Kraftwerk errichtet und beansprucht ca. 130.000 Quadratmeter,
  • davon etwa 30.000 Quadratmeter für Gebäude.
  • Ende 2024 / Anfang 2025 wird es eine erste öffentliche Konsultation geben
  • 2027 öffentliche Umfrage
  • 2027 - 2031 Bau der Anlage, Inbetriebnahme 2031
  • Bis zu 10 Lastwagen pro Tag und 5-6 Schiffe pro Jahr sollen kontaminierten Metallschrott anliefern.
  • Die Verarbeitungskapazität beträgt 25.000 Tonnen Stahl / Jahr.
  • Davon bis zu 18 Dampferzeuger, der Rest sind zerlegte Metallbauteile.
  • Die Teile werden in einer Lichtbogenschmelzanlage behandelt.
  • Alle ankommenden Teile haben ein Dokument dabei, das Aufschluss über die Strahlenbelastung und Historie des Teils gibt.
  • Eine Kontrolle am Eingang prüft jedes einzelne Teil auf Plausibilität zum Dokument.
  • Eine Ausgangskontrolle prüft den freigemessenen Stahl bevor er in Verkehr gebracht wird.
  • Auf dem Gelände entsteht eine Lagerkapazität für 6 Dampferzeuger und 480 Container, um den Materialfluß nicht von Transporten abhängig zu machen.

Auf Nachfrage bestätigt Laurent Jarry:

  • Die Dampferzeuger werden in einer Halle gelagert, nicht unter freiem Himmel.
  • Das Abladen der Schiffe findet in den Häfen von Neuf Brisach oder Ottmarsheim statt.
  • Die Genehmigungsanträge enthalten keine Genehmigung zur Abgabe flüssiger Stoffe in den Rhein.
  • Die Abluft wird gefiltert.

Auf Hinweis des BUND Regionalgeschäftsführers, dass man - siehe Stocamine - in der Region schlechte Erfahrungen mit Kontrollen gemacht habe und bereits jetzt besser Vorkehrungen einplanen möge, damit Kontrollen nicht in krimineller Absicht umgangen würden, wurde versichert, die Kontrollen seien zuverlässig.

Während der Präsentation wird die Anlage als umweltfreundliche Recyclinganlage beschrieben, deren Zweck sei, Stahl zur Wiederverwertung aufzubereiten und so den Ressourcenverbrauch zu reduzieren. Angesichts der 12 Millionen Tonnen Stahl, die Frankreich pro Jahr erzeugt, liegen die 25.000 Tonnen, die die Anlage pro Jahr verarbeiten könnte, allerdings eher im Bereich von "Peanuts". In Wirklichkeit geht es darum, teure Endlagerkapazitäten zu sparen.

 

 

Unsere Forderungen

Der Schutz des Menschen, der Natur und der Umwelt muß Vorrang vor Gewinnstreben haben!

Fehler bei der Ausgangskontrolle können nie vollständig ausgeschlossen werden. Der BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein plädiert daher dafür, den in dieser Anlage eingeschmolzenen Stahl nicht freizugeben. Der BUND fordert vielmehr, dass Stahl als Rohmaterial in der Nuklearindustrie Weiterverwendung findet. "Endlager brauchen auch Schienen, Stützen, Tore und Fässer. Warum setzt man den Stahl aus Fessenheim nicht einfach dort ein, wo er unter der Aufsicht der Strahlenschutzbehörden bliebe?" so Stefan Auchter vom BUND Regionalverband.

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