Rede auf der Montagsmahnwache Breisach
Rede von Claudia Richthammer, IPPNW Freiburg
(Internationale Ärzt*innen für die Verhütung des Atomkriegs - Ärzt*innen in sozialer Verantwortung e.V.)
Ostermontag, 06.04.2026
Schon seit über 40 Jahren warnen wir Ärzte von der IPPNW vor den Folgen eines Atomkrieges und warnen mit unabhängigen Wissenschaftlern vor Gesundheitsschäden durch ionisierende Strahlung. Schon die Strahlendosis von 1 Millisievert (mSv) erhöht nachweislich das Erkrankungsrisiko.
Es gibt keinen Schwellenwert, unterhalb dessen Strahlung unwirksam wäre.
Was bedeutet dies für uns hier und heute
1. Schon die Hintergrundstrahlung verursacht nachweisbare Gesundheitsschäden. Die „natürliche“ Radonstrahlung in ungeschützten Häusern führt zu mehr als 9% der tödlichen Lungenkrebserkrankungen und in Europa sterben infolgedessen 20.500 Betroffene pro Jahr (2021)
2. Medizinische Strahlendiagnostik verursacht nachweisbare Gesundheitsschäden. Sowohl für computertomographische als auch für konventionelle Röntgen-Untersuchungen wurde ein erhöhtes Krebsrisiko nachgewiesen (vorrangig Brustkrebs, Leukämien, und Hirntumore). Kinder und Jugendliche sind stärker betroffen als Erwachsene.
3. Atomenergie-Nutzung mit und ohne Unfälle und Atomwaffentests verursachen nachweisbare Gesundheitsschäden. Das Argument, eine Strahlenbelastung bewege sich „nur“ im Dosisbereich der „natürlichen“ Hintergrundstrahlung oder medizinischer Diagnostik und sei deshalb unbedenklich, ist irreführend und darf nicht als Argumentation dienen für jahrzehnte dauernde und flächendeckende Belastungen, zum Beispiel durch das sogenannte Technocentre oder einen Unfall in einem der schweizer Atomkraftwerke.
Schon der Normalbetrieb von Atomkraftwerken führt bei der Umgebungsbevölkerung zu Gesundheitsschäden. Entfernungsabhängig lässt sich eine erhöhte Rate von Leukämie und anderen Krebserkrankungen bei Kleinkindern nachweisen (mit bester Evidenz derzeit aus Deutschland, mit konsistenten Ergebnissen aus Studien in der Schweiz, Frankreich und Großbritannien).
Eine neuere Studie von 2025 aus Amerika zeigt in Massachusetts auf eine erhöhte Krebsrate vieler Tumorarten im Umkreis von 2,5km aller Akws.
Beruflich strahlenexponierte Arbeitnehmer erkranken deutlich häufiger als andere, selbst wenn die offiziellen Dosisgrenzwerte eingehalten werden. Darauf weisen die Inworksstudie 2005 und die internationale Agentur für Krebsforschung IARC 2024 hin. Diese zeigen sogar auf, dass die Kinder der strahlenexponierten Arbeitnehmer mehr Gesundheitsschäden als andere Kinder aufweisen.
Bei Beschäftigten im Uranbergbau und in Atomwaffenfabriken ist eine Zunahme chronisch lymphatischer Leukämien nachgewiesen.
All dies lässt sich nicht mehr Verleugnen und ignorieren.
Seit April 2025 ist in Deutschland durch das Bundesamt für Strahlenschutz offiziell eingeführt: „Es gilt das LNT-das linear -No-Threshold Modell im Strahlenschutz“ Das bedeutet, die deutsche Bundesregierung hat anerkannt, dass es keinen unteren Schwellenwert gibt für die Wirksamkeit von ionisierender Strahlung.
Nicht so die Schweiz.
Die Schweiz betreibt die ältesten Atom-Kraftwerke der Welt, -und das in unmittelbarer Nähe der deutschen Grenze. Trotz Sicherheitsdefiziten und wachsender Gefahren durch Alterungs-und Ermüdungseffekte laufen ihre AKWs unbefristet.Dazu kommt: Schweizer und deutsche Ärzte aus dem IPPNW haben in Zusammenarbeit mit dem Trinationalen Atomschutzverband TRAS, dem BUND und Ausgestrahlt im Juni die Studie „Grenzenloses Risiko-Gefährdung Deutschlands durch schwere Unfälle in Schweizer Atomkraftwerken“ veröffentlicht und in aller Deutlichkeit aufgezeigt,was politisch viel zu lange verdrängt wurde.
Auf Grund der bei einem großen Atomunfall in der Schweiz zu erwartenden radioaktiven Belastung der Bevölkerung ist mit langfristigen und schwerwiegenden Gesundheitsschäden vor Allem in Deutschland zu rechnen. Bei stärker belasteten Personen in direkter Nähe zum Unfallort, z.B. in Waldshut, sind sogar die akute Strahlenkrankheit, Unfruchtbarkeit und Fehlbildungen möglich. Schwangere und Ungeborene sind besonders gefährdet.
Schon bei geringen Strahlendosen treten stochastische Strahlenschäden für hunderttausende Betroffene mit Krebs und anderen später auftretende Erkrankungen auf,sowie genetische Schäden, die sich auch in nachfolgenden Generationen auswirken.
Dies hat großflächige Evakuierungen und langfristig unbewohnbare Gebiete zur Folge. Die vorgesehenen Katastrophenschutzmaßnahmen sind unzureichend. Insbesondere die Folgen der Niedrigstrahlung können sie nicht verhindern.
Hiermit richte ich mich an euch BürgerInnen und Bürger, an euren Gemeindrat, die „Strategie des Landes Baden-Württemberg für die Zusammenarbeit mit der Schweiz in der Fortschreibung von 2025“ einzufordern, und darin: Um das Unfallrisiko tatsächlich zu beseitigen, müssen die Kernkraftwerke in der Schweiz dauerhaft abgeschaltet werden.
Bringen Sie daher die vom Trinationalen Atomschutzverband formulierte Resolution in Ihre Gemeinden und fordern Sie den Gemeinderat auf,
- diese zu unterzeichnen und
- für eine grenzüberschreitende erneuerbare Energiepartnerschaft sich einzusetzen.
Danke für Ihr Kommen !